Das ganze Thema ist ein wenig komplexer, als es zunächst erscheint.
Die "ausgemusterten" Piloten werden umgeschult - auf welchen Flugzeugtyp auch immer. Aber es gibt halt auch nur eine begrenzte Anzahl von Simulatoren in Bremen, Frankfurt, München und Wien und soweit ich weiß, auch in Zürich. Wenn man aber bedenkt, dass die LH allein ca. 420 Piloten hat, die die A320-Baureihe (A319, A320 und A321) fliegen (und es gibt ja noch andere Flugzeugtypen), die ja auch immer wieder in den Simulator müssen, dann kann man schon alleine daran erkennen, dass sich die Umschulung auf einen anderen Flugzeugtyp nicht von heute auf morgen bewerkstelligen läßt. Darüberhinaus müssen die umzuschulenden Piloten wieder die "Schulbank" drücken. Während dieser Umschulungszeit erhalten die Piloten natürlich ihr Gehalt weiter, auch wenn sie zeitweise zu Hause sind.
Und - die Ausbildung ist eine Zeit, in der die Anforderungen an die Piloten fast höher zu bewerten sind, als die Anforderungen im späteren Berufsalltag. Denn ein 4-Stunden-Simulatortraining ist in keiner Weise zu vergleichen mit einem normalen 4-Stunden-Flug. Im Simulator wird in der Regel nicht geflogen (fliegen können die Piloten ja schon), sondern da werden ausschließlich Stresssituationen trainiert, 4 Stunden lang, ohne Pause. Das ist mehr als Stress pur und hat mit dem normalen Flugbetrieb nicht viel gemeinsam. Insofern ist es nur gerecht, dass die Piloten auch während ihres Typings normal bezahlt werden.
Was vielleicht für einige arrogant klingen mag - aber es ist trotzdem so: Die Ausbildung bei LH ist beispielhaft und nicht jeder schafft die von LH geforderte Qualifikation. Bestes Beispiel dafür ist z.B. folgende Tatsache:
Piloten der Alitalia, denen bei der Übernahme durch LH noch von Alitalia gekündigt wurde, haben sich dann als Piloten bei der LH beworben, weil sie verständlicherweise für die neu gegründete Lufthansa Italia fliegen wollten. Voraussetzung für die Übernahme dieser ehemaligen Alitalia-Piloten war, das sie die bei LH übliche Berufsqualifikation bestehen. Es waren Piloten, die bereits seit Jahren für die ehemalige Alitalia flogen - es haben aber nur 18 % der Bewerber die LH-Qualifikation bestanden. Der Rest ist sang- und klanglos durchgefallen.